In der Vortragsreihe „Reflexivität und Erkenntnis“ griffen wir die Frage auf, was unter Reflexivität verstanden werden kann und wie diese mit Erkenntnis verknüpft ist. Unserer Ansicht nach, ist Reflexivität unabdingbares Element jeder wissenschaftlichen Praxis. Dies hat, je nachdem, welches Verständnis man von der Rolle von Reflexivität im Forschungsprozess hat, unterschiedliche Begründungen und Hintergründe.
Geht es bei Bourdieu vor allem darum, den Einfluss der eigenen Subjektivität auf die Forschungsergebnisse möglichst gering zu halten, gibt es in Anlehnung an Devereux auch Positionen, die die Reflexion der Subjektivität als Erkenntniswerkzeug selbst verstehen. Gerade letzteres bietet häufig Ansatzpunkte für heftige Kritik und Anzweifeln der Wissenschaftlichkeit dieser Betrachtungsweise. Das Darstellen von z.B Introspektionen innerhalb der Vorstellung ethnographischer Beobachtungen kann auf heftige Abwehrreaktionen stoßen. Die Reflexion, nicht nur die bloße Darstellung des Wahrnehmens der Situation, soll Zugang zum Gegenstand an sich eröffnen und konfrontiert die Zuhörenden damit auch mit ihren eigenen Gegenübertragungen und der Notwendigkeit der Auseinandersetzung und Reflexion dieser. So bleibt als einzige Möglichkeit die Entwertung dieses Schrittes und die Infragestellung seiner Sinnhaftigkeit, die sich auf die Formel „Wo ist denn da die Erkenntnis?“ bringen lässt.
