Antifaschistische Konferenz

Projektbericht: Vortrags- und Workshopreihe zu Antifaschismus und sozialer Ausgrenzung

Für das Wintersemester 2025/26 war ursprünglich die Durchführung einer antifaschistischen Konferenz geplant. Da im Laufe des Jahres bereits drei größere antifaschistische Konferenzen stattgefunden hatten, entschieden wir uns stattdessen für ein kompakteres Format, das zentrale gesellschaftspolitische Themen in Form eines Vortrags und eines Workshops behandelte. Ziel war es, aktuelle Erscheinungsformen sozialer Ausgrenzung und Diskriminierung zu thematisieren sowie praktische Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit diesen Problemlagen zu vermitteln.

Den ersten Teil der Reihe bildete am 27. November 2025 der Vortrag „Obdachlosenhass und Sozialdarwinismus“ des Publizisten und Rechtsextremismusforschers Lucius Teidelbaum. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen gesellschaftliche und politische Formen der Abwertung obdachloser Menschen. Der Referent analysierte historische und aktuelle Ausprägungen sozialdarwinistischen Denkens, das Menschen nach ihrem vermeintlichen gesellschaftlichen Nutzen bewertet und sozial Benachteiligte ausgrenzt. Dabei wurde aufgezeigt, wie sich Vorurteile gegenüber obdachlosen Menschen sowohl in staatlichen Maßnahmen als auch in öffentlichen Debatten und rechtsextremen Ideologien widerspiegeln.

Besondere Aufmerksamkeit galt den Zusammenhängen zwischen sozialer Ausgrenzung, Armut und autoritären politischen Einstellungen. Anhand zahlreicher Beispiele wurde deutlich, dass Obdachlosenfeindlichkeit kein Randphänomen ist, sondern tief in gesellschaftlichen Vorstellungen von Leistung, Produktivität und sozialer Zugehörigkeit verankert sein kann. In der anschließenden Diskussion wurden Möglichkeiten erörtert, wie solidarische Perspektiven gestärkt und diskriminierenden Einstellungen entgegengewirkt werden können. Die Veranstaltung bot den Teilnehmenden einen fundierten Einblick in ein Thema, das in antifaschistischen Debatten häufig weniger Aufmerksamkeit erhält als andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Am 16. Januar 2026 fand als zweiter Teil des Projekts der sogenannte „Pöbelworkshop“ statt. Der Workshop richtete sich insbesondere an Frauen und hatte das Ziel, Handlungssicherheit im Umgang mit Belästigungen, sexistischen Anmachen und Grenzüberschreitungen im öffentlichen Raum zu vermitteln. Im Mittelpunkt standen praktische Übungen und der gemeinsame Austausch über Erfahrungen mit Alltagssexismus und Belästigung.

Die Teilnehmerinnen erarbeiteten verschiedene Strategien, um auf übergriffiges Verhalten selbstbewusst zu reagieren. Dabei wurde sowohl die verbale Abgrenzung als auch die Einschätzung unterschiedlicher Situationen thematisiert. Der Workshop vermittelte keine standardisierten Verhaltensregeln, sondern ermutigte die Teilnehmerinnen, eigene Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln und auszuprobieren. Durch praktische Übungen konnten verschiedene Reaktionsweisen erprobt und reflektiert werden. Ziel war es, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken und den Handlungsspielraum in belastenden Situationen zu erweitern.

Die Kombination aus Vortrag und Workshop ermöglichte es, unterschiedliche Aspekte gesellschaftlicher Ausgrenzung und Diskriminierung zu behandeln. Während der Vortrag strukturelle Formen sozialer Abwertung und ihre ideologischen Hintergründe analysierte, vermittelte der Workshop konkrete Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit alltäglichen Formen sexistischer Belästigung. Beide Veranstaltungen stießen auf reges Interesse und förderten einen intensiven Austausch unter den Teilnehmenden.

Insgesamt leistete das Projekt einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung und zur Förderung antifaschistischer Perspektiven an der Goethe-Universität. Trotz der Entscheidung, anstelle einer größeren Konferenz ein kleineres Veranstaltungsformat durchzuführen, konnten zentrale Themen erfolgreich aufgegriffen und mit den Teilnehmenden diskutiert werden.

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